Reisebericht
Freitag, 02.12.2011
Die Koffer werden in die Busse verladen. Um 08.00 Uhr starten 73 Barsbüttler /Innen zur Fahrt ins Erzgebirge. Die Anfahrt nach Chemnitz, unterbrochen von zwei Picknicks, ist harmonisch und kurzweilig. Die Stimmung in den Bussen ist gut. Am späten Nachmittag kommen wir in Chemnitz bei unserem Hotel an und beziehen die Zimmer. Das Hotel ist sehr gut, liegt nur leider ziemlich weit von der Innenstadt entfernt in einem Gewerbepark.
Samstag, 03.12.2011
Die Sonne scheint. Unsere beiden Reiseführer erzählen auf dem Weg zur Augustusburg Interessantes über die Geschichte der Stadt Chemnitz. Sie wurde im 2. Weltkrieg am 05.03.1945 zu 90% zerstört. Chemnitz war eine reine Arbeiter- und Industriestadt: Leinenwebereien, Kattunbleichereien, Spinnereien Eisengießerei, Webstuhlbau und vieles andere mehr. Nach der Wende wurde die Industrie komplett eingestellt, die Arbeitsplätze fehlen. Die Jugend zieht weg. 58% der Einwohner sind älter als 60 Jahre. In den 1940er Jahren wohnten in Chemnitz 369.000 Einwohner, heute sind es nur noch ca. 242.000.
Wir fahren auf der alten Salzstraße, vorbei am roten Turm (12. Jahrhundert). Er war damals in die Stadtmauer einbezogen, wurde später als Gefängnis genutzt.
Wir bewundern Schloß Vorwerk, den Ausspann, Schlossteich mit Park, alles restauriert nach der Wende. Auf der Insel im Park stehen 4 Figuren aus Elbsandstein: Morgen, Mittag, Abend und Nacht. Dies sind die Originale aus dem 19. Jahrhundert. In Dresden stehen die Kopien.
An der Allee steht als Statue der 7,10m große Kopf von Karl Marx. In der DDR- Zeit wurde Chemnitz umbenannt in Karl-Marx-Stadt. 1990 gab es eine Bürgerbefragung. 76% der Bürger wollten ihren alten Stadtnamen wiederhaben.
Katharina Witt hat hier gelebt, trainiert und den Karrierestart hier begonnen, ebenso einige andere Eiskunstläuferinnen und Wintersportler.
Weithin sichtbar erhebt sich südöstlich von Chemnitz das monumentale Lust- und Jagdschloß Augustusburg. Der Renaissancebau, errichtet unter dem sächsischen Kurfürst August (1526 - 1586) ist ein interessantes Ausflugsziel. Wir bewundern das Brunnenhaus. Der Brunnen ist ca. 130 m tief. Die Demonstration mit dem Becher voll Wasser, das 7 Sekunden braucht, bis es auf der Wasseroberfläche des Brunnens aufschlägt, ist gigantisch. Wir können uns einige Räume des Schlosses ansehen. Hier muß noch viel restauriert werden. Die Schlosskapelle ist wunderschön. Am Altar bewundern wir das Gemälde aus der Cranach-Schule, das die kurfürstliche Familie darstellt. Etwas außerhalb des Schlosses bemerken wir einen Pranger, an dem damals Diebe und "zänkische Weiber" bestraft wurden.
Für die Besichtigung der Kutschen- und Wagensammlung, des Jagd- und Vogelkundemuseums, des Motorradmuseums usw. fehlt die Zeit.
Freiberg ist auch heute noch bekannt als Studentenstadt, mehrfach ausgezeichnet als hervorragende Bildungsstadt. Söhne der Stadt: u.a. Alexander von Humboldt, Theodor Körner, Michail Lomonossow (Wissenschaftler).
In der Freiberger Altstadt bewundern wir wunderschön restaurierte Altstadthäuser, die Kirche mit den Bergmannssymbolen, den Weihnachtsmarkt mit der speziellen Pyramide in der Fußgängerzone stehen mehrere wunderhübsche Skulpturen, z.B. der Klatschweiberbrunnen. Im Schloß Freudenstein ist die weltgrößte Mineralogie - Sammlung ausgestellt.
Wir erleben das Weihnachtsoratorium im Freiberger Dom mit Silbermannorgel, Tulpenkanzel, dem wunderschönen Altar. Ergreifend schöne Stimmen, Weihnachtsgeschichte so professionell und innig dargeboten, das haben wir selten erlebt. Zu Anfang schreitet der Kinderchor des Domes (Kurrende) mit brennenden Kerzen durch den Mittelgang, zauberhaft. 1 ½ Stunden dürfen wir diesen Kunstgenuß genießen. Ganz erfüllt von diesem grandiosen Erlebnis verlassen wir den wunderbaren Dom.
Nach dem Abendessen findet sich die ganze Gruppe im Saal Zwickau ein. Inge hat ein launiges Spiel vorbereitet, sehr nett, sorgt für Bewegung,, macht viel Spaß. Wilma, Ingeburg und Bodo haben ihre Musikinstrumente und Bücher mitgebracht. Witzige Geschichten werden vorgelesen. Es ist ein zauberhafter, lustiger Abend im Kreise netter Mitreisender.
Sonntag, 04. 12 2011
Heute lernen wir eine andere Seite von Chemnitz kennen. Wunderschöne Jugendstilhäuser säumen die Straße. Unsere Reiseführerin erzählt von einem Fund, der vor einigen Jahren unter Tage auftauchte: man fand einen versteinerten, verkieselten Wald, entstanden vor 290 Millionen Jahren nach einem Vulkanausbruch. Von dieser Art gibt es weltweit nur 3 Funde: in Brasilien, den USA und hier in Chemnitz. Deshalb bemüht sich die Stadt Chemnitz, 2013 mit diesem Wald in das Weltnaturerbe aufgenommen zu werden. In Serpentinen geht es bergauf, vorbei am Renaissanceschloß Klattenbach aus dem 17. Jahrhundert, in dem heute Kleinkunstbühnen vorhanden sind. Wir fahren durch Waldhufendörfer: Orte werden talwärts oder an den Flussufern gebaut, sind ganz lang gestreckt und sehr schmal. Hier wurde Anton Günther, der bekannte Texter, geboren, er starb 1937.
Der Grenzbach zur Tschechischen Republik begleitet uns auf dem Weg bergan nach Oberwiesenthal. Hier im Grenzgebiet herrscht eine hohe Arbeitslosigkeit, viel Schmuggel wird betrieben, viele Einbrüche finden statt. Je höher wir kommen, umso schlechter wird das Wetter. Es ist grau, stürmisch, es gießt. Auf dem Fichtelberg ist das große Wintersportzentrum, es gibt hier die Wetterwarte, Bergstation der Schwebebahn. Das Fichtelberghaus hat nach einer wechselvollen Geschichte 1999 wieder eröffnet. Die Schmalspurbahn, die hier ihre Endstation hat, bringt bei gutem Wetter im Winter viele Wintersportler und Touristen hier herauf. In Oberwiesenthal gibt es ca. 4.000 Gästebetten. Das Hotel von Jens Weißpflog liegt am Waldrand, sehr idyllisch. Wegen des sehr schlechten Wetters erledigen wir das Picknick im Bus. Ist auch ganz witzig, Jeder hilft mit, es muß improvisiert werden.
Weiterfahrt nach Crottendorf, einem kilometerlangen Waldhufendorf. Wir besichtigen einen Familienbetrieb, der Liköre herstellt. Danach bewundern wir den Weihnachtsberg, der in einer Garage aufgebaut ist. Es ist ein mechanischer Berg, der sowohl Orient als auch das Erzgebirge zeigt. Angetrieben von etwa 15 Elektromotoren bewegen sich und "arbeiten" knapp 100 geschnitzte Figuren. Im oberen Teil spielt die Weihnachtsgeschichte. Wunderbar.
In Annaberg-Buchholz gehen wir zuerst in die St. Annen-Kirche. Die Heilige Anna, Schutzheilige der Bergleute spielt in der durch den Silberbergbau geprägten Gegend eine wichtige Rolle, sowohl bei der Namensgebung der Kirche als auch der Stadt. 1499 wurde die St. Annen-Kirche als katholisches Gotteshaus eingeweiht, ist seit 1539 evangelisch. St. Annen ist die größte reine Hallenkirche der Spätgotik in Sachsen, 65 m lang und 40 m hoch, gebaut aus Gneis und Granit aus dem Erzgebirge. Sie wurde im 2. Weltkrieg nicht zerstört. Früher wurden die Gottesdienste in lateinischer Sprache gehalten. Die Bergleute konnten weder lesen noch schreiben, deshalb hat der Künstler Franz Maidburg 100 Relieftafeln geschaffen, die als Hauptbestandteil eine Bilderbibel beinhalten.
Der Altar ist aus italienischem Marmor, der Bäckeraltar ist der älteste Altar.
Vor dem Altar sehen wir eine kleine Bergmannsfigur. Sie wird nachher in einer Bergmannsprozession zur kleinen Bergkirche auf dem Weihnachtsmarkt begleitet.
Nach einem kurzen Besuch des Weihnachtsmarktes entern wir die Busse, die uns auf Umwegen nach Chemnitz bringen. Diese Umwege haben es in sich: bei dieser abendlichen Fahrt durch die kleinen Dörfer mit den einheitlich geschmückten Fenstern (Schwippbögen, Tannenbäume) für weihnachtliche Stimmung sorgen. Es sieht wunderhübsch aus.
Montag, 05. 12 2011
Unser neuer Reiseleiter begleitet uns heute durch das Erzgebirge. Dieser Landstrich ist bekannt für das Klöppeln, den Bergbau, das Schnitzen. Auf den Schwippbögen findet man deshalb immer auf der einen Seite einen Schnitzer, auf der anderen eine Klöpplerin.
Im Nussknackermuseum in Neuhausen gibt es den größten Nussknacker der Welt mit über 10 Metern. Er ist eingetragen ins Guinness-Buch der Rekorde. Ca. 5.100 Exponate sind vorhanden, ca. 4.000 stehen heute hier im Museum, ein paar der eindrucksvollsten: die deutsche Fußballnationalmannschaft, Don Quijote, Zorro, das große Eichhörnchen, der kleinste Knacker der Welt.
Wir fahren heute durch den Winter, eine Zuckerbäckerlandschaft liegt draußen, der erste Schneepflug kommt uns entgegen. Die Begrenzungsstellen auf den Feldern erinnern uns ein wenig an die Knicks in Schleswig-Holstein.
Unser Ziel heute ist Seiffen. Hier wurden früher Zinnerze gefördert. Das Zinn lag ziemlich dicht unter der Erdoberfläche, musste ausgewaschen werden. Dieses Zinnauswaschen nannte man seiffen. Daher hat das Städtchen seinen Namen. Hier liegt etwas Schnee. Es ist kalt. Überall sind die Fenster geschmückt mit Schwippbögen, Engeln, Bergleuten. In der kleinen Kirche lauschen wir den Klängen der Orgel. Ein Küster erzählt die Geschichte des Kirchleins, macht uns aufmerksam auf den wunderschönen Taufstein.
Wir stöbern in den Geschäften, kaufen ein, lernen die Engel mit den grünen Flügeln und den elf Punkten darauf kennen. Es ist eine richtige Industrie rund um Weihnachten hier entstanden. Heute ist es relativ ruhig hier, weil Montag ist. Wir genießen diesen Ausflug nach Seiffen sehr.
Dienstag, 06.12.2011
Überraschung in der Früh: Vor jeder Zimmertür steht ein kleiner Nikolaus. Das ist ein wunderhübscher Gruß.
Nach dem Frühstück werden unsere Busse beladen. Der Fleischer bringt das gestern bestellte Picknick. Wir fahren über die Autobahn nach Hause. Abends in Barsbüttel regnet es furchtbar, jeder versucht, so schnell wie möglich nach Hause zu kommen. So endet unsere Erzgebirgs-Tour ziemlich abrupt.
Ina Ahlrichs