Frankreichreise des Bürgervereins vom 23. bis 29. Mai 2006

Reisebericht

Dienstag 23.05.2006
Um 05.30 Uhr steht schon die halbe Reise-Crew auf dem Parkplatz am Rathaus in Barsbüttel. Zum Teil sind die Koffer schon gestern Abend im Trauzimmer des Rathauses deponiert worden. Pünktlich um 06.00 Uhr starten wir. Ein erstes Picknick halten wir ab auf dem Parkplatz einer Raststätte in Lichtendorf. Es gibt: frisches Baguette, Wurst, Käse, Gurken, Äpfel, Schokolade, Kaffee, Rotwein. Seit wir Hamburg verlassen haben, regnet es, aber jetzt während des Picknicks ist es zwar sehr windig und kühl, aber immerhin trocken. Ein zweites Picknick gibt es an der Abzweigung A 29 nach Rouen. Hier stehen wir mit unserem Tisch auf dem kleinen Rasenstück, essen Käse, Gurke, Äpfel, Brot. Die Sonne scheint, es ist angenehm warm, die Stimmung hervorragend. So kann's weitergehen. Bis Rouen sind es nur noch 158 km. Das Wetter klart auf, Sonnenbrillen sind angesagt! Da unser Fahrer, der Wilhelm, nur einen PC-Plan dabei hat, klappt das mit dem Finden des Hotels nicht so richtig. In einem Etap-Hotel hilft uns die Dame am Empfang mit englisch-französischer Wegbeschreibung und einer Zeichnung. Wir finden dann auch sehr schnell unser Novotel. Die Zimmer sind gut, das Essen erst recht! Es ist himmlisch ruhig. Leider ist die Nacht zu kurz.

Mittwoch 24.05.2006
Rouen, Honfleur und Caen
Nach einem ausgezeichneten Frühstück (von wegen: die Franzosen frühstücken nicht!) fahren wir nach Rouen, besichtigen die Altstadt, die Kathedrale, die moderne Kirche am Hinrichtungsplatz der Jeanne d'Arc. Sie soll gar nicht hingerichtet worden sein, sondern eine andere Frau an ihrer Stelle.
Von dort führt uns Xenia, unsere Reisebegleiterin, auf einen Markt zum Einkaufen. Toll, so viel Käse, Melonen, Möhren, Radieschen. Die Leberpastete ist schneller weg, als wir alle gucken können. Die Melonen sind Spitze! Picknick findet heute statt im Grünen angesichts der "Pont de Normandie", der 1995 eröffneten großen Brücke über die Seine. Wir fahren weiter nach Honfleur. Hier haben viele Impressionisten gemalt, weil das Licht so toll sein soll. Es ist heute ein bißchen diesig. Das Städtchen ist liebenswert, wunderschön, malerisch. Hier könnte man bleiben.
Gegen 14.00 Uhr fahren wir nach Caen. Zuerst besichtigen wir die Abtei der Männer (Im Bus hatte Xenia uns die Geschichte der beiden Abteien erzählt.) Die Abtei der Frauen ist heute ein Krankenhaus. Diese Abtei war von Anfang an unscheinbarer. Die Abtei der Männer ist ein toller gotischer Bau. Xenia erzählt uns interessante Einzelheiten zur Architektur.
Dann das Caen-Memorial: Es ist eine furchtbar emotional bewegende Stätte. Der Keller, in dem die Landung der Alliierten in der Normandie dargestellt wird mit Originalfotos, Originalgeräuschen und Rundfunknachrichten, ist fast nicht zu ertragen. Man kann nur hoffen, dass diese Memorials, die hier überall an der Küste der Normandie stehen, wenigstens die Menschen, die sie besuchen, beeinflussen, für den Erhalt des Friedens zu arbeiten. Wir sind alle sehr bedrückt.

Donnerstag 25.05.2006
Ein zauberhafter Tag: Le Mont St. Michel
Auf dem Weg dorthin fahren wir durch kleine Dörfer, vorbei an typisch bretonischen Häusern aus grauem Granit mit Schieferdächern. Dann die Abtei auf dem Felsen: Imposant, wie wir uns ihr auf der Straße nähern können! Die An- und Weiterbauten, bewundernswert, wie die Bauherren früher mit den wenigen Hilfsmitteln die ganzen Materialien hoch geschafft haben! Wir durchlaufen viele Räume, lernen wieder einmal die Tonnengewölbe kennen, schauen nach den Buchstaben auf den Steinquadern. Die Bauarbeiter früherer Zeiten wurden nicht nach Stunden bezahlt, sondern nach Steinquadern, die sie verarbeitet haben. Darum steht auf jedem Quader ein Zeichen oder Buchstabe. Wir erfahren, was die Mönche wann zu essen bekamen. Sie wurden zum großen Teil nur zwischen 25 und 32 Jahre alt. Interessant ist das Skriptorium, in dem viele tolle, gut erhaltene Schriften erstellt wurden. Die Mönche haben nur im Winterhalbjahr geschrieben, durften je Stunde 20 Minuten die Finger an den großen Kaminen wärmen, damit die Finger geschmeidig blieben. Wir bewundern viele Einzelheiten, die Xenia uns nahe bringt. Zum Abschluß essen wir ein Galette complet mit Ei, Schinken, Käse, echt lecker. Es gibt Cidre aus Tassen, sehr ausgefallen!
Vom Mont St. Michel geht es auf abenteuerlichen Wegen zum Austernstädtchen Cancale. Austern sind ausgesprochen lecker. Wir sitzen und stehen auf der Mole am Hafen, genießen die Austern, die Sonne, den Cidre. Mein Gott, kann es uns gut gehen! Von dort fahren wir nach St. Malo. Das ist ein außerordentlich schönes Städtchen mit einer imposanten Festungsmauer, auf der wir die Altstadt umrunden, mit Felsen im Meer, die den Korsaren als Versteck dienten, wenn sie die Schiffe ausraubten. Tolle Stadt, tolles Flair, wunderbares Wetter, nette Leute!
Zurück im Hotel besorgen wir Wein und Wasser für morgen. Wir sitzen nach dem Essen in großer Runde in der Bar. Morgen wird der Tag sicher sehr ereignisreich in Guipavas.

Freitag 26.05.2006
Ploumanach - St. Thégonnec - Guipavas - Partnerschaftsfeier
Früh um 08.00 Uhr starten wir in St. Malo. Alle sind pünktlich, wie immer. Wir fahren über malerische Straßen, kaufern fürs Picknick ein kurz vor Lannion. Weiter geht's nach Peros-Guirec, tolles Seestädtchen, von dort nach Ploumanach, zu den roten Granitfelsen. Grandios!!! Tolle Fotomotive!!! Hier müsste man sitzen und träumen können!! Wir fahren weiter Richtung St. Thégonnec. Kurz vor Morlaix finden wir einen tollen Platz für unser Picknick. Es gibt mal wieder französisches Baguette, französischen Käse, französischen Wein.
St. Thégonnec ist eine Enttäuschung. Wir haben einen Kalvarienberg erwartet, stattdessen gibt es nur einen Kalvarienbrunnen mit Jesu Leidensstationen. Weiter zum Hotel. Es liegt in der Nähe des Flughafens. Die Zimmer sind Klasse, die Dusche und Betten super gut!
In Guipavas erwartet uns ein langer Tag. Unsere Freunde haben ein rauschendes Fest vorbereitet: Nationalhymnen, Flaggenhissen, Ansprachen, Luftballon-steigenlassen, Umzug, Tanzvorführung, Aperitifs draußen. Dann: ein langes, tolles Essen mit Tanz mittendrin, als krönender Abschluß: eine Champagner-kaskade, toll!!! Gegen 02.00 Uhr fallen wir in unsere wunderbaren Betten. Das war ein absolut unvergeßlicher Tag.

Samstag 27.05.2006
Guipavas und Umgebung
Heute können wir etwas ausschlafen. Dann geht's mit dem Schulbus aus Guipavas (Wilhelm hat zu viele Stunden auf seiner Fahrtenscheibe, der Bus muß heute stehen bleiben) nach Crozon direkt an den Strand von Morgat. Das Comitée de Jumelage hat in einem Kindergarten ein Picknick für uns vorbereitet mit Wurst, Grillettes, Wein, Wasser, Saft, Cornichons und tollen Tomaten. Danach gibt es Käse und super-leckere Erdbeeren. Wir sind hier mitten in der Erdbeerregion!!
Den ganzen Tag ist es neblig. Auch während der Fahrt zu den Grotten hebt sich der Nebel nicht, schade! Die Fahrt ist trotzdem wahnsinnig interessant, diese Farben und Formen in den Grotten!! Wir beobachten viele Kanufahrer und einige Taucher. Später fahren wir nach Crozon zurück, kommen an den ersten Menhiren vorbei. Wir trinken Kaffee in einer netten Gruppe direkt an der Mole, haben etwas Freizeit, beobachten die Wellen, die Segelboote. In Guipavas haben unsere Freunde unser Abendbrot vorbereitet: Crèpes mit Schinken, Käse, Marmelade usw.
Ein bretonische Paar erfreut uns mit bretonischer Musik. Nach dem Essen gibt der Barsbütteler Chor "die zerbrochenen Glocken von Barsbüttel" das seit Tagen einstudierte Lied "Ici en Bretagne…" zum Besten. Wir bedanken uns herzlich bei unseren Freunden. Unsere deutsch-französischen Schals wechseln die Besitzer. Junge Menschen haben sich zur Verfügung gestellt, uns in unser Hotel zu bringen. Den Tag lassen wir in der Bar ausklingen. Es war ein schöner Tag.

Sonntag 28.05.2006
Von der Bretagne bis zur Champagne
Eine lange Strecke liegt vor uns! Von der Bretagne in die Champagne sind es 880 km. Darum werden wir schon um 05.00 früh geweckt, starten um 07.00 Uhr. Xenia erzählt uns unterwegs Legenden von Gradlon und Lancelot; Geschichten von Gauguin und anderen Malern, die in Pont-Aven gelebt haben.
Die Menhire von Carnac sind eine Enttäuschung. Es ist zwar interessant, diese vielen Zeugen aus Urzeiten anzusehen, da sie aber von Zäunen umgeben sind, haben wir keine Möglichkeit, uns hautnah mit ihnen auseinanderzusetzen.
Wir fahren weiter über Tours, Angers, Orleans nach Troyes. Die lange, lange Strecke vertreiben wir uns mit singen. Da Hans-Dieter sein Orchester dabei hat, außerdem stimmgewaltige Mitglieder des Chores der katholischen Kirche dabei sind, haben wir übrigen es nicht so schwer, uns einzuklinken. Am interes-santesten ist das Lied, das Herr Fischer singt von der Au, dem Baum, dem Stamm, dem Ast, Zweig, Blatt, Vogel usw. In Troyes haben wir mal wieder Schwierigkeiten, das Ibis zu finden. Xenia telefoniert und wird ans Ziel gelotst. Die Zimmer sind gut. Unser Abschluß-Abendessen nehmen wir im nahe gelegenen "L'Alsaß" ein. Zuerst bekommen wir ein Glas Champagner. Köstlich, stimmt uns ein auf die morgige Kellereibesichtigung. Es gibt einen ausgezeichneten Salat, ein leckeres Hauptgericht und eine feine Apfeltarte. Der Bürgerverein übernimmt die Kosten für die Getränke. Ein toller Abend geht zu Ende in der Bar unseres Hotels.

Montag 29.05.2006
Kellereibesichtigung und Rückreise
Der Abreisetag. Früh um 06.00 Uhr geht mal wieder der Wecker, viel zu früh!! Frühstück ist gut. Als die Koffer im Bus sind, bittet Xenia uns noch mal in die Halle. Sie hat einen Raum organisiert, in dem wir 10 Minuten Gymnastik zur Lockerung absolvieren. Eine tolle Idee, die auch noch Spaß macht!
Auf geht's zur Firma Taittinger! Eindrucksvoll, deren Kellergewölbe voller Flaschen!! Staunend hören wir, wie viel Arbeit erforderlich ist, bis so ein Champagner im Glas perlt! Es ist ein überaus passender Abschluß unserer Frankreichreise, dieses Glas Champagner in Reims.
Die weiteren 920 km nach Hause verlaufen ereignisarm. Zufrieden und erschöpft kommen wir kurz nach 23.00 Uhr in Barsbüttel an.

Ina Ahlrichs