Reisebericht Lahn-Mosel-Rhein-Reise vom 08. bis 11. Oktober 2009

Reisebericht

8. Oktober 2009
Abfahrt 6.00 Uhr in Barsbüttel. Es regnet. Beim ersten Frühstücksstopp werden alle Helfer patschnaß, trotzdem: unser Fahrer ist einfach großartig, alle anderen Reiseteilnehmer bleiben im Bus und genießen ein kleines Frühstück mit frisch gebrühtem Kaffee, Meterbrot, Marmelade, Wurst und Käse. Beim großen Picknick haben wir dann mehr Glück mit dem Wetter, die Sonne scheint. Alle sind zufrieden und glücklich, bis Bad Ems sind es noch 120 km.
Emser Erzberghaus
Frank Girmann und seine Mitarbeiterin empfangen uns im Hofe des Museums und Herr Girmann hält einen anschaulichen und sehr interessanten Vortrag über die Geschichte des Emser Bergbaus. Schon die Römer bauten hier Erze ab (Blei, Zink, Kupfer und Silber). Der Limes macht hier sozusagen einen Bogen um die Erzvorkommen. Die Beschwerlichkeit des Berufes Bergmann/Steiger wird uns deutlich vor Augen geführt. Wir bewundern die Ausstellung mit den vielen Grubenlampen und Werkzeugen, die man unter Tage brauchte. Aus der Emser Gegend sind sehr viele und wunderschöne Mineralien ausgestellt. Auch aus Deutschland und der Welt können wir viele Funde bewundern. Die kleine Diesellok springt im dritten Versuch an. Herr Girmann freut sich, dass es bei unserem Besuch geklappt hat. Nur für uns hat man die Schleswig-Holstein-Flagge gehisst. Wir sind begeistert, fühlen uns als Gäste sehr willkommen, spüren überall unheimlich viel Enthusiasmus. Frank Girmann hat für seine Arbeit im Emser Erzberghaus vom Bundespräsidenten Horst Köhler das Bundesverdienstkreuz für sein Lebenswerk erhalten.
Nach einigen Kilometern sind wir in Lahnstein angekommen. Wir beziehen die Zimmer und haben noch etwas Zeit, am Rhein spazieren zu gehen. Es ist sehr mild.
9. Oktober 2009
Nach dem Frühstück gibt es unser obligatorisches Geburtstagsständchen. Renate hat Geburtstag. Wir stehen am Bus und zelebrieren das Ständchen. Plötzlich steht ein netter Herr in unserer Runde, der ein paar wunderbare Töne "obenauf setzt". Unser Reiseleiter Günter Schneider hat sich zu uns gesellt, ein ehemaliger Opernsänger, der in Wien, Paris und Mailand zu Hause war. Er ist für die nächsten zwei Tage unser Reiseleiter. Ein wunderbarer, eindrucksvoller Tag an der Mosel liegt vor uns. Die Zeit wird uns nicht lang. Auf humorige Weise erfahren wir Wissenswertes aus Politik, Gesellschaft und Umgebung.
Wir durchfahren die Vulkaneifel. Geologen haben aufgrund von Unter-suchungen erforscht und festgestellt, dass ein Vulkanausbruch in der Eifel in Kürze möglich ist. Wir erfahren, wie die Mare entstehen. Herr Schneider erzählt uns, wieso die Mosel schiffbar gemacht wurde. Von der Quelle bis zur Mündung hat die Mosel ein Gefälle von nur 74 m. Diesen geringen Höhenunterschied regulieren 10 Schleusen (auf deutschem Gebiet). An jeder Schleuse sind Turbinen angebracht, die sauberen Strom durch Wasserkraft produzieren. Die Windräder, die wir auch überall sehen, sind hier nicht so effektiv wie bei uns an der Küste.
Trier, die älteste Stadt Deutschlands, wartet auf uns. Per Bus umrunden wir die außen liegenden Sehenswürdigkeiten wie Amphitheater (sehr eindrucksvoll), vorbei geht's an den Ruinen der Kaisertherme. Wir halten an der Porta Nigra. Dieses imposante Bauwerk der Römer steht heute immer noch, genau wie die wuchtige Basilika. Es ist ein irres Gefühl, in diesen uralten Gebäuden zu stehen. Auf dem Weg zur Innenstadt sind wir an einer Brücke über die Mosel vorbei gekommen, die konstruiert und erbaut wurde in der Römerzeit. Diese Brücke trägt sogar den heutigen Verkehr. Irre, diese römischen Ingenieure und Baumeister!
Unser Herr Schneider ist ein Rheinländer von der wunderbaren Sorte. Seine Bonmots sind toll, einige werden wir nicht vergessen: unbemanntes Fahrzeug, Feinkostgewölbe usw.
Nach der Besichtigung von Trier wartet ein besonderes Highlight auf uns: Wir besuchen das Weingut der Familie Schleimer. Der Winzer entpuppt sich als junger Experte, der uns überzeugend von seiner Arbeit im und am Weinberg berichtet, seine Arbeit demonstriert, uns zeigt, wie wir die Öchsle der Trauben am Gerät ablesen können, der Tipps zum Bescheiden der Weinreben zu Hause gibt. Das ist ein Mensch, der seinen Beruf liebt! Wir könnten ihm ewig lauschen, hier in der Sonne am Weinberg!
In seinen Räumen erleben wir eine exzellente Weinprobe. Damit wir nicht vom Stengel fallen, bekommen wir zuerst unser bestelltes tolles Winzervesper: dunkles Brot, Käse, Wurst, Schinken, Ei, Gurken, Tomaten. Dann geht's weiter mit der Weinprobe. Super! Wir genießen die Zeit hier sehr.
Auf dem Weg nach Hause fahren wir entlang der Mosel. In St. Aldegund hat Günther Schneider eine Überraschung für uns: im Historischen Gewölbekeller St. Aldegund, einem Kreuzgewölbekeller aus dem Jahre 1898, probieren wir diverse Senfe, Dips, Essige und Öle aus eigener Manufaktur, aber natürlich auch Liköre. Christian ist ein mehrfach ausgezeichneter Likörhersteller, der viele erste Preise ergattert hat. Wir sind sehr angetan von der urigen, alten Destille und den tollen Proben.
Müde erklimmen wir den Bus. Aber noch ist nicht Schluß mit diesem wundervollen Tag: In Winningen erfahren wir die Geschichte der Firma "Horch". Als der Autobauer nach durchstandener Lebenskrise wieder seine Firma aktivieren wollte, stellte er fest, dass ein Leipziger Unternehmen alle Namensverbindungen mit dem Begriff "Horch" für sich patentieren ließ. Man kam darauf, das lateinische Wort für "Horch" zu nehmen. Damit war die Firma "Audi" geboren.
Nicht nur unsere grauen Gehirnzellen werden gefüttert, auch unsere Augen können sich kaum satt sehen an den Schönheiten dieser reizvollen Gegend. Wie Perlen an einer Schnur liegen die kleinen und größeren Dörfer am Ufer der Mosel. Jetzt in der einsetzenden Dämmerung können wir die herrlichen Farben bewundern. Die bunten Lichter grüßen zu uns herüber. Über die Baedecker-Straße in Koblenz fahren wir zurück nach Lahnstein in unser Quartier. Ein netter Abend in der Bar beschließt diesen unvergesslichen Tag.
10. Oktober 2009
Um 9.00 Uhr wartet Günther Schneider auf uns im Hotel. Wir freuen uns auf den Tag mit ihm im Weltnaturerbe Mittelrhein. In Lahnstein ist der traditionelle Hexenmarkt schon aufgebaut, darum muß unser Fahrer ein wenig bugsieren, um unseren großen Bus um die engen Kurven zu bekommen.
Günther fängt sofort an mit seiner heutigen Bildungsreise. Die Marksburg oberhalb von Koblenz wollten japanische Investoren kaufen, Stein für Stein abbauen und in Japan wieder aufbauen. Gott sei Dank wurde das von deutscher Seite verhindert. Japanische Architekten durften Baupläne der Burg erstellen. Jetzt steht unsere Marksburg 1 zu 1 umgesetzt auf einer japanischen Insel. Beim G-20-Gipfel in Tokio konnte ein Hubschrauberteam sich davon überzeugen.
Wir fahren am Rhein entlang, der extremes Niedrigwasser führt. In Blüchen sehen wir den Pegelstand mit 1,60 m. Beladene Schiffe können den Rhein zurzeit nicht passieren, das Maximum ist 1/3 der Ladekapazität.
Unterwegs erzählt uns Günther von vielen Prominenten, die Burgen am Rhein kauften und dort leben. In Kamp-Bornhofen wohnt das Geschlecht der von der Leyen. Hier besteigen wir unser Schiff, mit dem wir die Fahrt zur Lorelei genießen. Für uns Foto-Begeisterte zeigt sich das Wetter eher in Moll. Dur wäre uns lieber, aber die wabernden Nebelschleier oben an den Rheinhängen sind auch ganz interessant. Als wir in die Nähe der Loreleifelsens kommen, erfreut uns der Kapitän mit dem Lied von der Lorelei: "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten..." In St. Goarshausen wartet unser Bus auf uns und bringt uns hoch zur Lorelei. Von hier oben ist die Aussicht auf das Rheinknie umwerfend. Von jedem Aussichtspunkt sieht der Fluß anders aus. Die Schiffe und Züge wirken ganz klein.
Über Assmannshausen geht es auf sehr engen Straßen hoch zum Niederwald-Denkmal. Ca. 500 m vor dem Ziel ist die Straße gesperrt. So'n Pech, hätte man das nicht unten schon anzeigen können?! Also, zurück das Ganze! Als Ersatz bietet uns Günther Schloß Johannisberg an. Hier wollen wir bleiben. Das Wetter ist schön. Picknick gibt's im Burghof. Um uns herum flanieren zwei Hochzeitsgesellschaften. In der kleinen Schlosskapelle - total schlicht, dadurch ergreifend schön - erklingt die Orgel. Eine Sängerin übt: One moment in love - wunderschön, Gänsehaut-feeling.
Nach einem leckeren Reste-Essen- und -Trinken-Picknick fahren wir nach Rüdesheim. Die Drosselgasse ist das Ziel. Auf einem Platz spielt eine Blaskapelle aus Niedersachsen. Ein großer Teil der Gruppe genießt die Musik, wagt ein Tänzchen. Der Rest sitzt im Café bei "Marianne International" und genießt einen Rüdesheimer Kaffee. Schön! Die Sonne meint es gut mit uns.
Wir fahren zurück, vorbei am Binger Mäuseturm, hören die Geschichten und Geschicke der Burgen am Rhein. In der Nähe der Lorelei macht uns Günther auf außergewöhnliche Schifffahrtszeichen aufmerksam. "Warschauer Zeichen". An der engsten und tiefsten Stelle des Rheins (36 m) können anhand dieser Zeichen die Kapitäne erkennen, welche Fahrzeuge ihnen auf der anderen Seite der Felsen entgegen kommen, Schubverbände, Schiffe mit Überlänge usw. So kann und muß der Kapitän vor dem Felsen seine Geschwindigkeit drosseln, damit es nicht zu Havarien kommt. Wir durchqueren den Freistaat Flaschenhals. Den gibt es wirklich. Man kann auch unter bestimmten Bedingungen heute noch Bürger dieses Freistaates werden.
Auf Burg Katz gibt es ein bekanntes Internat. Willy Millowitsch war einer der prominenten Schüler.
Nach einem interessanten Tag am Mittelrhein kehren wir ins Hotel zurück, bummeln noch kurz über den Hexenmarkt.
Abends gibt's eine Weinprobe mit Weinen vom Mittelrhein auf einem Weingut in Koblenz-Ehrenbreitstein. Wir genießen diesen Abschluß.
11. Oktober 2009
Heute starten wir nicht so früh, weil es gestern Abend doch später geworden ist. Wir haben noch die Möglichkeit, etwas durch Lahnstein zu bummeln, das wir uns ja kaum angesehen haben. Bei der Kirche stoßen wir auf den Ouahigouya-Platz. Ouahigouya ist ein Ort in Burkina Faso, mit dem Lahnstein seit 1978 eine Partnerschaft unterhält. Auf diesem Platz entdecken wir eine kleine Skulptur "Zwei Welten". Zwei Kinder stehen sich gegenüber, Symbol für Afrika und Europa. Ein Kleinod finden wir damit als Abschluß unseres Morgens in Lahnstein.
Über die Autobahn fahren wir ohne Probleme nach Hause. Unterwegs singen wir viel. Tonangebend sind Hubert und Elke. So wird die Fahrt nicht lang. Gegen 18.00 Uhr sind wir müde und voller schöner Eindrücke zurück in Barsbüttel.

Ina Ahlrichs